Berlin "kill your ego, redesign yourself"

Dass man als Stuttgarter nun zuallererst in ein Schwabenschutzprogramm eintreten muss, um nicht direkt von U-Bahn Schlägern zu Schnabeltasse und Schlimmerem geprügelt zu werden, halten wir für ein Gerücht.

Was uns aber beim Durchstreifen der Straßen sofort aufgefallen ist, ist dass die gegelten Frisuren, die farblich abgestimmten Klamotten und die Hippster fehlen und sauber und schön ist es hier auch nicht.

Berlin ist ein Labor voll von schrägen Lebensmodellen die nur funktionieren weil Sozialkontrolle und Anpassungszwang auf das in Deutschland möglichste Mindestmaß reduziert sind. 

Uns beschwingt ein Gefühl von Freiheit, wir atmen tief ein - und husten. Nein, Berlin ist wirklich keine schöne saubere Stadt aber Berlin ist das perfekte Chaos. Man braucht keine Pläne, keine Anpassung und kein Kompromisse, man springt in den Fluß -twentyfourseven- und lässt sich treiben.

Während wir am Morgen an einem Bahnsteig auf den Smartphones die Stuttgarter Nachrichten lesen, worin gerade heiß über das Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen diskutiert wird, gesellt sich ein Kapuzenpulli tragender Typ dazu um gemütlich auf die Bahn zu warten. 

Der süßliche Duft seines Joints zog in einer großen Wolke über den Bahnsteig - vorbei an allen Wartenden - ohne jemanden zu stören. 

Berlin ist keine schöne saubere Stadt, nein, nun wirklich nicht. Abgase, Müll, Ratten, Armut und Kälte sind präsent.

Wie entspannend und frei doch das Leben ohne die ständige Präsenz der bürgerlichen Mitte mit Ihrer Kehrwochenmentalität auf uns wirkt, wir atmen tief ein - und husten.

 

Aber doch leben hier die Leute ihr Leben im Takt -twenty four seven- mit ihren eigenen Ansichten und einige nicht zuletzt wegen ihrer ganz persönlichen Revolution.

Es ist egal, wo man herkommt, für echte Berliner sind sowieso alle Ausländer. Berlin ist ein Labor an Persönlichkeiten. Viele sind anderswo nicht klar gekommen, sind angeeckt und aufgefallen. Wir atmen tief ein und überlegen -
können wir überhaupt zurück?